(cher) Eine elegante junge Frau findet ein Tagebuch, blättert darin, liest Eintragungen und beigelegte Briefe. In einer knappen Stunde
findet die Demaskierung eines kleinlichen, selbstgefälligen, wehleidigen Egoisten statt, den wir doch aus seinen Werken ganz anders kennen: denn der Name des
Tagebuchschreibers ist Arthur Schnitzler.
"Die Seele ist ein weites Land" heißt das Soloprogramm, das Michaela Ehrenstein jetzt in der Freien Bühne Wieden präsentierte und das als Ergänzung zu Gerald Szyszkowitzs Stück "Schnitzler und das süße Mädel" gedacht ist. Noch stärker als in diesem wird hier die Zerrissenheit eines Mannes offenbar, der zwar in seinem
literarischen Werk um all diese zwischenmenschlichen Probleme wusste, sich immer wieder auch über sie lustig machte, im wirklichen Leben aber, wenn es ihn selber betraf, nicht damit umgehen konnte.
Michaela Ehrenstein gelingt die schauspielerische Bravourleistung, in die verqueren Gedankengänge voll einzusteigen und gleichzeitig Schock und Abscheu nicht zu verbergen. Zwischen den Texten bringt sie von Béla Fischer nach Schnitzlergedichten gestaltete Chansons. Ein spannendes Programm, das einen in die Abgründe der Beziehung von Mizi Glümer (dem Vorbild für das "süße Mädel") und Arthur Schnitzler schauen lässt.
Die Seele ist ein weites Land
Mit Michaela Ehrenstein, Béla Fischer
Freie Bühne Wieden,
Fesselndes Psychogramm.